Willkommen in Ihrem zweiten Leben
Nachdem auf der i-worker-Liste eine Diskussion über Sinn und Unsinn von SecondLife losgetreten wurde, möchte ich hier auch mal meinen Senf dazu geben.
Also habe ich mich bei SecondLife angemeldet, den Client installiert und in der Blogosphäre ein wenig umhergeschaut, was andere zu einer virtuellen Realität, deren virtuelle Einwohner genauso viel reale Energie verbrauchen wie die realen Einwohner Brasiliens.
Zunächst stellt der Download der recht großen (30-60 MB) Installationsdatei die erste Hürde dar. Aber selbst nach dem Installieren ist es nicht zu Ende mit den Hürden. Nach meinem ersten LogIn-Versuch war mein Avatar verschwunden, die Software ist mehrfach abgeschmiert, die Server offensichtlich dem virtuellen Wirtschaftswachstum nicht gewachsen. Und alleine bin ich mit diesen Problemen nicht.
Wer es aber schafft, diese Hürden zu umgehen, kann damit Millionär werden. Und zwar nicht virtuell. Ganz real.
Geld ausgeben ist in Second Life einfacher denn je. Einmal eingeloggt, kann man seinen Account zum Beispiel mit Paypal verknüpfen und so einen direkten Händlerakzeptanzvertrag mit LindenLabs, Inc, dem Betreiber von Second Life abschließen. Will man etwas kaufen, klickt man auf “Buy”. Und fertig.
Nun, ist das alles jetzt gut oder schlecht?
Wir Deutschen würden sagen: Schlecht. Natürlich. Denn Second Life ist neu. Und mit Neuem tut man sich im alten Europa schwer. “Wozu soll das gut sein?”, fragt man hier, ohne es auszuprobieren. Oder man holt die Kulturkeule. Menschen, die Stunden in Second Life verbringen, vereinsamen, heißt es, man verliere den Bezug zur Realität. “Second Life – die neue Droge“, berichtet man. Genauso zaghaft waren wir bei der Einführung des Web 1.0. Ganz anders sieht der Blick nach Übersee aus: Hier freut man sich euphorisch über die neuen Ideen.
Und ernsthaft: Ist Second Life nicht eigentlich die logische Konsequenz der Webevolution? Weltweite Kommunikation in Echtzeit, ohne große Kosten? Einfache Shopping-Tours ohne Parkplatzsuche? Und das alles jetzt nicht nur textbasiert, sondern in dreidimensionaler Anlehnung an die Realität?
Aber man wird abhängig, verliert die Kontrolle, alles ist sowieso nur ein Hype… Aber Abhängigkeit und Sucht sind die falschen Begriffe, Spieler spielen bewusst, empfinden Spielen als erfüllend und gehen ihrem Hobby nach. Habitualisierung nennt man das. Oder einfacher: Hobby. Und für einen Hype sind die Zahlen zu gut. Sicherlich hat jedes Produkt eine Halbwertzeit, aber florierende Umsätze und begeisterte Nutzer lassen in mir so gar keine Erinnerung an irgendwelche Erinnerungen an Internetblasen entstehen (dotcom, anyone?).
Lässt man mal die technischen Probleme der aktuellen Umsetzung beiseite, ist Second Life doch eine gute Idee. Das muss man einfach mal sagen. Es kann Spaß machen, sich dort aufzuhalten, sich zu unterhalten – und nein: Es ist kein übersteigerter Medienkonsum. Wirtschaftlich ist es ohnehin sehr interessant und soziologisch sicherlich ein Fortschritt zu den Instant-Messaging-Tools und eine Bereicherung für die Kommunikation, auch wenn einige das nicht so sehen wollen. Aber letztendlich sind ja sogar handgeschriebene Briefe, so sie denn von einem Zusteller überbracht werden, “virtuelle” Kommunikation. Und ja, man kann zwischen Realität und Virtualität unterscheiden.
Ich persönlich finde Second Life jedoch nicht so spannend. Ich war auch nie ein großer Fan von Computerspielen. Aber das Hobby fremder Leute anzugreifen, nur weil seine Ausprägung “neu” ist und sich nicht mit Briefmarkensammlern verträgt, halte ich für unangemessen. Man könnte über so viele Hobbies lästern. Fußballspiele anschauen, zum Beispiel. “Aber man kommt ja wenigstens an die frische Luft” – schonmal im Fanblock neben einer Rauchbombe gestanden?
Angesichts der Resistenz vor neuen Entwicklungen einiger Kommentatoren – vor allem in den “klassischen” europäischen Medien – kann man nur froh sein, dass Second Life kein Killerspiel ist.
Und für diejenigen, die Second Life für schrecklich, gefährlich oder sonstwas haben und keinen Respekt gegenüber neuen Ideen und Unterhaltungsformen entgegenbringen können, hier ein Tipp aus eigener Erfahrung:
Wenn Sie Second Life gestartet haben, drücken Sie “Apfel-Q” unter Mac OS X, “Alt-F4″ unter Windows oder eine mit ihrem Window-Manager kompatible Tastenkombination zum Schließen der aktuellen Anwendung unter Linux.
February 15th, 2007 at 12:08 pm
Ja ist schon seltsam oder? Irgendwie abstrus..
Man bräuchte effizientere Systeme..
gruss
ajk (vom gedankenrausch)
February 15th, 2007 at 12:18 pm
Mah, ich kann meinen Kommentar nicht editieren..
Also ich für meinen Teil sehe das als erweiterung und ergänzung. Mich freut es und ich mag das System auch wenn ich da nicht mitmache weil ich keine Zeit habe.
In WoW hab ich schon miterlebt wie Menschen sich abgesprochen haben, wie sie sich dann im echten Leben trafen und sogar anfingen Geschäfte miteinander zu machen.
Second Life ist zu grob, zu hässlich, zu langsam und zu primitiv im vergleich zu meinen Vorstellungen im Kopf.. Aber dennoch erlaubt es etwas was viele begeistern wird.
gruss
ajk
February 23rd, 2007 at 5:46 pm
[…] Aber Blogs sind neu und undeutsch. Aber das Thema hatten wir an anderer Stelle ja schon einmal. […]