Abstrakte Gefährdungslage

Nach der Fußball-WM in Deutschland kommen die Einwohner meiner Geburtsstadt Aachen nochmals in den Genuss einer WM. Es geht diesmal nicht um Fußball, sondern um Pferde, aber es ist immerhin eine WM mit internationalen Sportlern und Gästen.

Was liegt also näher, als das lustige Gehoppse der Gäule nebst Publikumstribüne zu einem potenziellen Schauplatz terroristischer Angriffe zu machen? Richtig, wir kennen das.

Die Polizei Aachen hat in einem Radiointerview (ich glaube auf EinsL1ve) dazu fast wörtlich folgende Sätze in mein Hirn eingebrannt: “Wir orientieren uns bei der Bewertung der Aachener Sicherheitslage an der Sicherheitslage der Bundesrepublik. Die Bundesrepublik ist ein Land, das einer abstrakten Gefährdungslage unterworfen ist. […] Störungen sind nicht vorgesehen.”

Okay, mal abgesehen davon, dass ich immer noch nicht weiß, ob der Polizei Aachen jemals eine vorgesehene Störung gemeldet wurde (meine Anfrage E-Mail hierzu wurde vom Polizeipräsidium nicht beantwortet ;-) ), halten wir fest: Leute, die einen solchen mit Verlaub gesagt intellektuell fragwürdigen Wortschwall auf öffentlich(-rechtlichen) Medien verbreiten, bekleiden zumindest bei der Polizei Aachen vergleichweise hochrangige Positionen. Genau solche Leute sind es dann auch, die beispielsweise den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei wählen, die dann wiederum unserem Innenminister was von der abstrakten Gefährungslade vorschwadronieren, woraufhin sich dieser wiederum damit schmückt, etwas gegen eine solche abstrakte Gefährdungslage zu tun. Mit anderen Worten: Wenn die Freiheit schon nicht verteidigt werden kann, wollen wenigstens wir (die Guten!!) diejenigen sein, die sie zerstören… Traurig, so etwas.

Na gut, denken wir noch einen Schritt weiter. Möglicherweise handelt es sich um eine Bildungslücke meinerseits, aber ich glaube, dass ich jemandem, der mich auf der Straße fragt, was abstrakte Kunst denn sei, keine Antwort geben könnte. Gut, dass könnte ich bei Wikipedia nachschauen. Bei der Frage nach der Semantik einer “abstrakten Gefährdungslage” würde es aber bei mir aufhören. Auch das ist traurig.

Interessant hingegen ist, dass ich mir überlegt habe, wie man sich eben diese Semantik erschließen könnte. Und zwar: Man überlegt sich zunächst: Gibt es ein Gegenteil, wenn ja welches und was bedeutet dieses? ich bin zu folgendem Schluss gekommen:

Das exakte Gegenteil wäre ja wohl eine konkrete Gefährdungslage, oder eine akute, oder wie auch immer, jedenfalls eine, die greifbar nahe ist, die mir den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Und was ist das? Meine persönliche Idee zur Unterbindung einer konkreten Gefährdungslage ist eine Rasterfahndung nach folgenden Kriterien: Person hat einen unkündbaren Beruf. Person lebt auf Kosten der Allgemeinheit. Person ist nicht arbeitslos. Person furzt in teure Ledersessel. Das wichtigste aber ist: Person spricht von abstrakten Gefährdungslagen.

Nur weiter mit einem Erklärungsansatz für die abstrakte Gefährdungslage bin ich damit nicht gekommen. Und irgendwie ist auch das traurig :-(

2 Responses to “Abstrakte Gefährdungslage”

  1. Netz-Kultur.com » Blog Archive » Grenzüberschreitende Serienkiller?!? Says:

    […] Okay, das mit den Hooligans kann ich mir ja noch vorstellen. Das ist ja das Thema, bei dem die Polizei minderjährige Mädchen ausziehen darf. Aber Grenzüberschreitende Serienkiller? Gibt es die in so nennenswerter Anzahl, dass sie an so prominenter Stelle eines solchen Programms nennen muss - oder ist vielmehr die von solchen “Killern” ausgehende Gefahr abstrakt? […]

  2. Netz-Kultur.com » Blog Archive » Das Rauchverbot, der Terrorismus und die Paranoia Says:

    […] Man macht sich Gedanken über ein europaweites Rauchverbot und schürt die Angst vor Terroristen. Die Realität schreibt ihre Stilblüten dazu und was bleibt? Eine unbearbeitete DPA-Meldung irgendwo auf Seite 5 eines Regionalblättchens (Titelschlagzeile war übrigens “Sturmlauf gegen die Rente mit 67″) – kein Mensch regt sich auf. Die Paranoia erschlägt uns, niemanden interessiert es. […]

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